Gold für Obelix oder mein erster Wettbewerb

Ich kanns ja immer noch nicht glauben! Ich hab tatsächlich Gold gemacht! Mit meinem Obelix, bei der ersten Teilnahme bei einem Wettbewerb. Und noch dazu war laut Berichten der Bewerb auf der Kuchenmesse Wels mit 127 Teilnehmern in 8 Kategorien der bisher größte Wettbewerb in Europa.

Hier ist er also, mein Obelix!

Obelix auf der Kuchenmesse

Aber jetzt erst die ganze Geschichte von Anfang an:

Als im November die Kategorien  bekannt gegeben wurden, war für mich sofort klar, dass Blumen und 3D meine Kategorien sind. Zu den Blumen gibts dann einen separaten Beitrag. Die Kategorie 3D bedeutet, es muss ein geschnitzter, aufgebauter Kuchen sein. Also nichts, was man so in einer Form backen kann. Vorgabe ist, dass alles 100% essbar sein muss, erlaubt sind nur eine Bodenplatte und lebensmittelechte Stützen. Eindeckmedium frei wählbar, mindestens 70% muss Kuchen sein, max. 30% darf anderes essbares Material, also z.B Reiscrsipymasse so wie ich sie beim Chevy hatte.

Schnell war für mich klar, dass es eine Figur mit hohem Wiedererkennungswert sein musste. Ich wollte, dass jeder, der mein Werk sieht sofort sagt: „Ah, der/die….wasauchimmer!“ und das unabhängig vom Alter. Und so kam ich schnell auf den Obelix, weil den kennt wirklich jeder. Und als besonderes Highlight wollte ich, dass er auch so auf einem Bein steht wie auf  dem Foto, das jeder kennt. Genau so sollte er aussehen!

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Aber wie krieg ich das hin? Das ganze als Kuchen und auf einem Bein? Ich hab lang herum getüftelt. Erst mal hab ich mir das Bild ausgeschnitten und auf die Pinnwand gepinnt um zu schauen, ob ich ihn so aufrichten kann, dass ich eine gerade Achse durch Stein, Körper und Fuß machen kann.

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Ok, das klappt. Und wie stütze ich ihn und wie mach ich die Konstruktion? Und wie verankere ich das in der Bodenplatte? Was für eine Platte kann das überhaupt sein? Fragen über Fragen! Und hier zum ersten mal ein ganz großes Danke an meinen Mann, den genialen Techniker, der mir da immer tatkräftig hilft, meine Ideen umzusetzen. Zuerst habe ich die Größe maßstabsgetreu anhand der Vorlage berechnet.

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Und dann hat er mir dieses Gestell gebastelt. Edelstahl Gewindestange mit versenkten Schrauben in einem Holzbrett bombenfest verankert und zwei Cakeboards ebenfalls mit Schrauben und Muttern oben und unten an den genau ausgerechneten Positionen befestigt.

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Dann konnte es schon losegehen. Nach der obigen Skizze und Berechnung hab ich gebacken. Nach einer vorherigen Backprobe den Yellow Cake von Theresa Crazy Sweets

3 Cup Mehl
2 1/2 TS Backpulver
1/2 TS Salz
1 3/4 Cup Zucker
2/3 Cup Butter
2 Eier Größe M
1 1/2 TS Vanilleextrakt
1 1/4 Cup Milch (300ml)

Die Butter mit dem Zucker , Salz und Vanilleextrakt weiß schaumig rühren. Jedes Ei ca. 1min lang unterrühren. Mehl sieben und mit dem Backpulver mischen. Abwechselnd mit der Milch unter ständigem rühren zur Butter-Ei-Masse geben.

Im Vorgeheizten Backofen bei 175°C Ober-/Unterhitze ca. 35min goldgelb backen. (Variiert je nach Backform)

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Die Kuchen eine Nacht durchgekühlt und dann gefüllt und gestapelt, da hab ich diesmal eine Swiss Meringue Buttercreme verwendet. Normalerweise arbeite ich mit Zartbitterganache, aber diesmal wollte ich zum Füllen und Einstreichen keine dunkle Creme haben, weil ich nicht riskieren wollte, dass die womöglich irgendwo durchkommt.

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Wieder eine Nacht durchgekühlt und dann gings ans Schnitzen. Der erste Schnitt war der schwierigste. Ich stand sicher 10 Minuten mit dem Messer in der Hand und wusste nicht, wo ich reinschneiden soll. Ok, die Wahrheit ist, ich hab mich einfach nicht getraut. Aber irgendwann musste es doch sein, und ich hab drauf los geschnitten.

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Dann eingestrichen in 2 Durchgängen und wieder eine Nacht durchgekühlt.

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In der Zwischenzeit hab ich angefangen den Kopf zu modellieren. Und da kam dann auch schon der erste Rückschlag. Die ersten 2 Köpfe wurden wieder zusammengeknetet und neu angefangen. Nachdem der dritte auch nix war musste der Modellierfondant in den Mistkübel. Da war zum ersten mal der Moment, wo ich dachte,  ich schaff das nicht, ich hab mich übernommen ( „Das wird nie was!“). Diese Gefühl kam übrigens in den folgenden 7 Tagen bis zur Messe immer wieder.
Abwechselnd mit „Wow, das wird super!“ gab das eine emotionale Achterbahn vom Allerfeinsten. Zeitweise dachte ich mir, so muss es sich anfühlen, manisch-depressiv zu sein, dieses Wechselbad der Gefühle war eine ganz neue Seite an mir, so hatte ich mich ja mein ganzes Leben lang noch überhaupt nie kennen gelernt.
Aber gut, man ist nie zu alt für neue Erfahrungen. Und letzten Endes war auch der Kopf fertig.

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Dann wurde der Obelix eingedeckt. Lange hab ich überlegt, wie ich die Struktur des Hinkelsteins hinkrieg. Ich hab Vieles ausprobiert, Hinkelsteine probegebacken, mit Fondant überzogen und bemalt, mit Icing überzogen und bemalt, nix hat mir gefallen. Kollegen, Freunde und Familie freuten sich, alle paar Tage ein Kuchen, so könnte das immer weiter gehen.
Schließlich wurde es die einfachste aller Möglichkeiten. Fondant in grau marmoriert und mit einem echten Stein geprägt. Gute Dienste leistete mir da der Marmorsockel einer Skulptur meines Lieblingskünstlers, „Thank you Yanni, I apologize for this misuse of your beautiful artwork.“

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Hinkelstein und Körper wurden dann eingedeckt, der Körper erst gesamt mit einer Schicht weißem Fondant, dann der Oberkörper in Hautfarbe. Eingedeckt und modelliert hab ich mit SweetArt Fondant vermischt mit 1 TL CMC auf 500g.

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Nach diesem Schritt war ich wieder mal happy („Mah, der wird soooo super!“) bis es dann daran ging, dem Obelix eine Hose anzuziehen. 2 Versuche, 2 mal wieder herunter gerissen. Der Sonntag Abend endete in tiefer Verzweiflung („Das wird nie was!“) Und hier das zweite mal „Danke“ an meinen persönlichen Superman, der in solchen Situationen immer mit aufbauenden Worten, einem entspannenden Fußbad, einer Schultermassage, breiten Schultern zum Anlehnen und wenn nötig auch Ausheulen zur Verfügung steht.
Am Montag sah die Welt schon wieder anders aus, ich hab mich erinnert, dass ich ja auch schneidern kann („Meine Mama kann alles!“ sagt meine Tochter immer). Und dass man eine Hose ja auch nicht aus einem Fetzen machen kann, sondern dass man da Schnittteile braucht dazu. Und da ich bis dahin ja auch noch unschlüssig war, wie die Streifen auf die Hose kommen sollen war damit ein zweites Problem gelöst. Als erstes habe ich den oberen gerollten Rand der Hose in einem Querstreifen aufgeklebt und darauf dann vorne ein Teil in der Mitte, je eines rechts und links, die beide in die Füße ausliefen und dann noch ein Teil hinten. Die blauen Streifen hab ich aufgemalt und die Breite so gewählt, dass der Stoß zwischen den Teilen, den ich eh sauber verstrichen habe zusätzlich genau am Übergang der Streifen lag. Dann wurde auch noch gleich der Gürtel aufgeklebt.

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Wieder eine Nacht kühlen und trocknen, und der Obelix musste nicht mehr kopflos bleiben und bekam auch Schuhe. Die Verkleidung der Sockelschraube mit dem Schuh war noch etwas tricky, aber ich hab sie so hinbekommen, dass der Schuh des Standfußes nur minimal größer war als der am gehobenen Fuß und ich war wieder happy („Mah, der wird soooo super!“).

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Und jetzt ging es wirklich in den Endspurt. Er musste nur noch Arme bekommen, dachte ich. Also los, Arme aus Modellierfondant formen und anbringen. Jo eh! Und wie befestigt man die Arme an den Schultern wenn der Körper schon 3 Tage lang getrocknet ist? Da ist nix mehr mit Verstreichen. Was jetzt?  Eh scho wissen („Das wird nie was!“).
Aber wie immer hab ich auch dafür eine Lösung gefunden, er bekam noch ein paar Schippel zusätzliche Haare und der Übergang auf den Schultern war kaschiert und ich wieder happy. („Mah, der wird soooo super!“).

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Dann hab ich ihm mit Farbe noch ein wenig Leben eingehaucht, ein Brustbein und einen Bauchansatz gegeben, ein wenig Rouge aufgelegt, und weil er so viele Hinkelsteine schleppen muss hat er auch schmutzige Hände.

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Endlich war er fertig mein Obelix, und ich war restlos zufrieden. Wie immer hat vieles nicht so geklappt wie ich mir das vorgestellt hatte und wie immer hab ich andere Lösungen dafür gefunden und wie Conny immer sagt „In the end it will be alright, and if it’s not alright, it’s not the end!“ – trifft auch hier zu.

Am Vortag der Messe kam dann noch die letzte Herausforderung, nämlich das Werk unbeschadet zur Messe zu transportieren. Auch wenn wir nur eine halbe Stunde Autofahrt haben, ich wusste gar nicht, wie schlecht die Straße dorthin ist. Hier ein drittes Danke an meinen Mann, der die geniale Transportsicherung gebastelt und mich auch chauffiert hat.

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Ja, und dann stand er da auf der Messe, zwischen all den anderen Kunstwerken, und ich war so stolz auf mein Werk. Und mein Plan ist voll aufgegangen. Jeder, der um die Ecke bog und ihn sah, sagte: „Mah schau, der Obelix!“ und bei genauerem Hinsehen: „Wie geht denn das, dass der da nur auf einem Bein steht!“ Yeah, Volltreffer!

Obelix Kuchenmesse

So, und um jetzt endlich zu einem Ende zu kommen: Die Messe war toll, super gut besucht, 26.000 Besucher in 3 Tagen. Am Samstag bin ich 6 Stunden lang am Bloggerstand gesessen, hab den Besuchern gezeigt, wie man ganz einfache Blümchen macht und hab sie auch mitmachen lassen. Jeder der wollte konnte sich selber in 2 Minuten aus einer Kugel Blütenpaste eine Hortensienblüte machen und mit nach Hause nehmen.

Demjenigen, der mir an diesem Nachmittag am Bloggerstand eines meiner aufgelegten Fotobücher geklaut hat möchte ich nur einen Gruß meiner verstorbenen Oma ausrichten:

„Der Blitz soll dich beim Sch…. treffen!“

Wenn du Bilder schauen willst, dann kauf dir ein Bilderbuch und vergeh dich nicht an anderer Leute Eigentum!

Am Sonntag schließlich die Riesenfreude, ich hab tatsächlich Gold gewonnen in meiner Kategorie, ich kanns noch immer nicht recht glauben! Zum ersten mal bei einem Wettbewerb mitgemacht und dann gleich Gold! Ich bin unglaublich stolz und zufrieden. Wer möchte kann sich hier alle Werke ansehen, die am Wettbewerb teilgenommen haben Bilder.

Kuchenmesse_Obelix_Gabi Greindl

Natürlich gabs auch eine Siegerehrung, mein Gesichtsausdruck zeigt zwar nicht meine Freude, sagen wir, der Fotograf war nicht der Beste 😉
edit: Es gab doch bessere Fotografen, Bild ausgetauscht!

Siegerehrung

So, das wars jetzt wirklich, jetzt gibts nur mehr Bilder zum Anschauen.

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21 Kommentare zu “Gold für Obelix oder mein erster Wettbewerb

  1. Super Kunstwerk und super Bericht, spannend zu lesen. Obwohl ich ja eh mehr oder weniger täglich up-to-date war, hab ich das jetzt ganz gebannt gelesen. Noch mal herzlichen Glückwunsch zum mehr als verdienten Erfolg!

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  2. Ich habe so gebannt in der Bahn gelesen, dass ich meine Station verpasst habe…meine Güte waren das aufregende Tage bei Dir. Herzlichen Glückwunsch zum wirklich verdienten Sieg. Hammer!
    Eine Frage noch: woher wissen die Juroren, dass da wirklich Kuchen drin steckt? Kann man solche Kunstwerke auch noch essen oder ist nach so vielen Tagen alles trocken? Oder es gar eh ein Frevel an Essen zu denken, wenn man den zauberhaften Obelix auf einem Bein sieht??? ;0)
    Ich ziehe jedenfalls virtuell meinen Hut vor so viel Ausdauer & Geschick!
    Liebe Grüße
    Nunu

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    • Das freut mich Nunu, erstens dass dir die Geschichte so gefallen hat und zweitens, dass du die Geschichte so spannend findest. Zu deiner Frage: Man muss eine Fotodoku der Entstehung dem Werkstück beilegen, damit die Juroren das sehen. Die sah bei mir so aus:
      Obelix

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  3. Ein etwas späterer Nachtrag vom Ehemann:

    Auch wenn es ein wenig hektisch war bei uns in dieser Vorbereitungszeit, ich bin sehr stolz auf meine Künstlerin und das zurecht wie ich immer belegt bekomme. 🙂

    HJ und Ehemann 🙂

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  4. Hallo Gabi,
    herzlichen Glückwunsch!
    Wirklich sehr gelungen!
    Schön auch, dass du dir die Mühe gemacht hast, alles so genau zu beschreiben! Danke!
    Hach, ich würde es auch mal gerne riskieren…vielleicht im nächsten Jahr..
    Liebe Grüße
    Ella

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    • Liebe Ella,

      ich kann nur sagen: Trau dich einfach! Du riskierst nichts, weil du nix zum Verlieren hast. Dabei sein ist alles, und ich sag dir, nach dieser Emotionsachterbahn hab ich noch mehr Respekt vor jedem einzelnen Werk das auf jeder Messe beim Wettbewerb mitmacht als vorher.

      Und das Making of genau zu dokumentieren war mir ein echtes Bedürfnis. Weil ich auch immer dankbar bin, wenn andere ihre Erfahrungen weiter geben. Und nicht zu letzt, weil ich mich sonst sicher in einem Jahr selber nicht mehr so genau daran erinnern kann. 😉
      Liebe Grüße
      Gabi

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Los, trau dich!

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