Cake International Birmingham 2018

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Cake International Birmingham
oder
Tortenmädels on Tour
oder
die oberösterreichische Chaostruppe
oder
unverhofft kommt oft
oder auch
„Des is jetzt a Scherz, oder?“

Nein, es war dann erfreulicherweise kein Scherz ich hab mit meinem Werk tatsächlich Silber gewonnen, ich kann es noch immer kaum glauben.

 

Aber von Anfang an, was wirklich geschah:

Dezember 2017: Sechs Tortenmädels beschließen, im nächsten Jahr zur Cake International zu fliegen.

Jänner 2018: die Tortenmädels buchen einen Flug, vorsichtshalber mit Gepäck, weil entweder kommt ein Wettbewerbsstück ins Handgepäck oder wir shoppen so viel, dass der Platz im Koffer sowieso nur knapp reicht. Oder Beides – das wars dann auch.

Irgendwann im Sommer: Kathrin Tortenherz und ich beschäftigen uns mal ausführlich mit den Wettbewerbskategorien, schließlich muss es ja ein Teil sein, das man im Handgepäck transportieren kann. Schnell ist unsere Entscheidung gefallen, die Kategorie „Embossed Plaque“ drängt sich ja richtig auf. Ein 2D-Relief, maximal 22,86cm x 22,86cm groß und auch noch flach , wie gemacht fürs Handgepäck.

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31. August: Letzter Tag der Anmeldung zum Frühbucherpreis. Ich schlage zu, nachdem ich lang gezaudert habe. Mir fällt nämlich wieder ein, was ich ganz am Anfang gesagt habe: „Sollte ich echt einmal nach Birmingham fliegen, dann mach ich sicher auch beim ersten mal beim Wettbewerb mit, denn wenn ich einmal die Werke dort in Natura gesehen habe verlässt mich sicherlich der Mut.“

Also, auf geht’s! Katrin und ich haben dann bald mal festgestellt, dass der Hund wie immer auch hier im Detail liegt. Erste Challenge: Herstellung einer Pastillage-Platte, auf der dann mit einem anderen Medium gearbeitet wird. Das hatte ich doch gekonnt ignoriert beim Lesen der Anforderungen. Gemeinsam machten wir uns ans Werk. Die Platte sollte möglichst nicht dicker sein als 5 mm. Ein paar Versuche hat uns das schon gekostet, das Ding muss nämlich nicht nur dünn sein sondern auch gerade, eben, mit schönen Kanten, ohne Einschlüsse, Risse und Löcher auf der Rückseite, weil die wird auch bewertet. Brechen soll das Ding dann natürlich auch nicht, wenn man darauf arbeitet. Kathrin weiß ein Lied davon zu singen.

Die Motivsuche war auch schnell erledigt, Kathrin wählte ein Umweltthema und ich  bin nach meinem Chief Mighty Crumb in Wels vor 3 Jahrenauch heuer  wieder den indigenen Gesichtern verfallen.

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Also saß ich dann da mit meiner Inspiration und tüftelte wie ich die beiden regelkonform auf die Pastillage bringe. Als erstes habe ich ziemlich lang Modellierschokolade geknetet, um aus dunkler, weißer und Vollmilch eine schöne dunkle Holzmaserung zu machen.

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Das Modellieren der Gesichter in dieser liegenden Position war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Normalerweise hat man ja den kleinen Kopf in der Hand und  modelliert so. Dabei kann man ihn jederzeit beliebig in jede Richtung drehen und kippen um die Konturen auch im Profil und von allen Seiten zu kontrollieren. Das geht hier nicht, da muss man ständig die Platte anheben und schwenken. Das ist ganz super, soll man doch möglichst keine Schokofingerabdrücke auf der Rückseite hinterlassen.
Schleifpapier wurde mein bester Freund.

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Das zweite Gesicht fiel mir dann wesentlich leichter, warum auch immer. Allerdings hab ich beide dann noch mal abgehoben und darunter Material weggenommen, weil sie mir zu hoch waren.

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Für die Haare habe ich weiße Modellierschokolade mit Modellierpaste verknetet. Das Prägen der Tattoolinien in der festen Schokolade auf den kleinen runden Gesichtern war auch nicht gerade einfach. Ich hab die Linien dann mit einem feinen Pinsel mit schwarzer Puderfarbe nachgezogen und die Gesichter auch mit schwarz und verschiedenen Brauntönen coloriert. Die Macht der Farben fasziniert mich immer wieder, auch wenn es „nur“ schwarz ist.

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Jeder neue Schritt bringt neue Herausforderungen. Der Rand hätte ursprünglich Holzstruktur werden sollen, das hat aber nicht geklappt und so musste ich in diesem Stadium noch einmal umdisponieren.

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Da war der „I wü nimma“ Punkt erreicht, und ich wollte einfach nur mehr ein fertiges Teil haben. Und so hab ich einfach einen dunklen „Holzrahmen“ rundherum gelegt und ordentlich aufpoliert. Das geht bei Modellierschokolade ganz  super mit Modellierhölzern und den Fingern, man kann so alle Fingerabdrücke und sonstigen kleinen Fehler entfernen.

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Überzeugt war ich nicht davon und gezeigt hab ich es außer meinem Meister der Technik (diesmal ohne Transportkiste) niemandem.  Aber ich war Gott sei Dank fertig und hatte zumindest ein Teil das ich hinstellen konnte.

Also, ab  in die Kiste damit und „Bloß nimma oglanga!“
Unser ständiger Perfektionismus bringt uns nämlich oft genug dazu, das fertige Werkstück immer noch verbessern zu wollen und das führt leider oft dazu, dass dann doch noch etwas kaputt wird, obwohl es eigentlich fertig war.

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Und was macht Kathrin inzwischen? Sie startet unseren Katastrophenlauf, und zwar gleich spektakulär: Reflexartig greift sie dem runter fallenden Modelliertool von Nicola nach und rammt es sich gleich richtig tief in die Hand! 2 cm tief:

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Hier könnt ihr sehen, wie das ausgesehen hat, unsere Stuntwoman ist nämlich richtig tough und hat das auch noch fotografiert. Klick hier – Achtung, nix für Zartbesaitete.

Weiter gehts:

31. Oktober, 22.00, 24 Stunden vor Abflug: Ich will uns online einchecken und stelle dabei fest, dass man mit einem gerade abgelaufenen Pass per Flugzeug nicht in  Großbritannien einreisen darf. Das war der Moment, wo ich mich am liebsten heulend ins letzte Eck verkrochen hätte. Ja, ich weiß, wie blöd kann man sein, dass man das übersieht.

1 .  November, 10.00, 12. Stunden vor Abflug: Dank meinem persönlichen Superman, der in der Nacht bei einem Feuerwehreinsatz am Funk sitzend alles recherchiert hat und dem Service der Linzer Berufsfeuerwehr bin ich um 76€ leichter und um dieses Ding hier reicher:

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1 .  November, 16.00:  Eine der Mädels, die mit dem Auto nach Birmingham fahren stellt in Dover auf der Fähre fest, dass auch ihr Pass abgelaufen ist. Aber der Zollbeamte dort ist nachsichtig und lässt die einreisen.

1 .  November, 20.00, 2. Stunden vor Abflug: Beim Gepäck aus dem Auto laden auf dem Flughafen platzt der Reißverschluss meines Koffers auf und lässt sich nicht mehr schließen. Also lass ich mir für 8€ den Koffer folieren und bin somit in Besitz der teuersten halben Rolle Frischhaltefolie ever.

1 .  November, 23.30,  an der Sicherheitskontrolle in Birmingham: Wir wissen jetzt alle, dass man im Flugzeug seinen Pass nicht in das Netz auf der Rückseite des Vordersitzes stecken soll, weil man ihn da nämlich leicht vergessen kann. Ganz blöd, wenn man mit dem letzten Flieger des Tages ankommt, der ist dann nämlich schon abgeschlossen, wenn man drauf kommt, dass der Pass da drin ist. Und bis da jemand kommt, der wieder aufsperren darf um den Pass zu suchen, dauert das. Und dann kommt man unter Umständen erst um 2.00 früh ins Bett, obwohl man in Gehweite vom Flughafen wohnt. Und nur am das klarzustellen: Nein, ich war das nicht schon wieder!

Aber am nächsten Tag ist alles vergessen, Wettbewerbsstück abliefern, Messe besuchen, mit ungläubigem Staunen 1.700 Wettbewerbsstücke bewundern, von den irrsinnigen Ausstellungsstücken der Profis ganz zu schweigen.

Heuer gab es eine Neuerung bei den Bewertungen: Jeder Teilnehmer bekam seinen Bewertungsbogen übergeben. Am Samstag früh machten wir uns auf den Weg, die Bögen abzuholen. Und als ich vor dem Tisch mit den Schaustücken stand, konnte ich es echt nicht glauben: Ich habe tatsächlich eine Silber-Auszeichnung bekommen!
Das war der Moment, als ich zu Kathrin sagte: „Des is jetzt a Scherz, oder?“

Gabi Greindl Cake International Birmingham 2018 Silber

Gabi Greindl Cake International Birmingham 2018 Silber

Auch Kathrin hat Silber, aber ganz ehrlich: Ihres fand ich viel, viel besser als meins.

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Für Michi Zuckerschneckerl gabs Bronze und für Deepali Markus gab es Gold. Somit haben aus unserer OÖ-Chaostruppe vier Mädels ein Wettbewerbsstück abgeliefert und alle vier haben eine Auszeichnung bekommen!

Hier auf Youtube gibt es ein Video in dem eine Jurorin erzählt, wie die Bewertungen ablaufen. Die Galerie mit den Bildern der ganzen Wettbewerbsstücke ist jetzt online:

Galerien

 

Unsere Erfolge haben wir dann natürlich auch ausgiebig auf der Gala am Samstag Abend gefeiert. Hier ist sie, die oberösterreichische Chaostruppe:

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Natürlich gabs auch noch Verstärkung aus Ostösterreich und Bayern.
Das nächste ist übrigens ein Suchbild: Finde den Airbrush-King aus „Das große Backen“ Sebastian , er saß schon im Flugzeug bei uns, hier auf dem Foto hat er sich allerdings richtig versteckt.
Aber er hat mit seinem Werk auch eine Bronze-Auszeichnung bekommen.

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So, jetzt geh ich weiter mein Silber verdauen. Und wie beim Obelix damals hab ich wieder festgestellt: Wie geil ist das denn, wenn du mit Null Erwartungen ein Wettbewerbsstück abgibst und dann eine Auszeichnung bekommst!

 

 

 

 

 

 

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