Meine Zuckerblumen auf der Kuchenmesse

Meinen zweiten Beitrag neben dem Obelix zum Wettbewerb bei der Kuchenmesse in Wels möcht ich euch auch nicht vorenthalten. Ich hatte mich auch für die Zuckerblumen angemeldet. Auch da hab ich schon seit Anfang Dezember getüftelt und überlegt, gezeichnet, geplant und Probeblumen gemacht.

Ich wollte unbedingt meine Lieblingsblumen, die Passiflora machen. Auch, wenn sie am aufwändigsten und zeitintensivsten von allen sind. Ich liebe sie einfach.

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Die Vorgabe war, 3 verschiedene Blumen in jeweils 3-facher Ausfertigung mit passendem Blattgrün. Genaue Nachfrage bei Marianne ergab dann noch die Zusatzinfo, dass das Blattgrün nicht das zu den Blumen gehörige  sondern nur zum Gesamtarrangement passend sein muss. Das war die Rettung, ich konnte nämlich nirgends Ausstecher für die Blätter der Passionsblume finden. So hab ich einfach andere Blätter gemacht, die meiner Meinung nach dazu passten. Dass das die Juroren dann anders beurteilt haben und ich Punkteabzug bekam, weil meine Blätter nicht Original waren hab ich unter „dumm gelaufen“ abgehakt.
Also Passionsblumen sollten die Hauptblumen sein, dazu wollte ich dann Phalenopsis und dann hab ich lang gegrübelt, was die dritte Blume sein sollte.

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Ich wollte ein farbenfrohes aber nicht zu buntes Südseegesteck haben, und da Passionsblume und Orchidee schon sehr groß sind, konnte es nur mehr etwas kleines, eher unauffälliges sein. Kleine unauffällige Blumen, die sich verstecken sind in der Südsee aber nicht wirklich zu Hause, also entschied ich mich für die unauffälligste, die Tahitianische Nationalblume „Tiare“ oder Frangipani wie sie im karibischen Raum genannt wird.

Frangipani

Mutig, denn die haben mich schon beim Kurs bei Betty fast in den Wahnsinn getrieben, weil ich es nicht geschafft habe, die ordentlich zusammen zu rollen. Aber gefühlte 100 Frangipanis später hatte ich dann doch ein paar brauchbare Exemplare.

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Das Gefäß für mein Gesteck war auch noch eine Herausforderung. Nachdem die Blumen alle sehr groß und schwer waren und das Ganze auch in die Höhe ging wollte ich unbedingt ein absolut standsicheres Gefäß. Der Gedanke, dass jemand es anstoßt und es umfällt war der Alptraum schlechthin. Außerdem wollte ich auch seitlich Blumen hineinstecken, da ich sonst die großen Passionsblumen nicht richtig hätte anordnen können. Nach unendlichen Überlegungen und Diskussionen mit meinem Mann – und wieder danke an den genialen Techniker, der mir immer meine unmöglichsten Ideen umsetzt – hatten wir schließlich die Lösung: Auf gehts zum Einkauf ins Bauhaus. Auf eine Schieferplatte klebten wir ein Abschlussstück eines Lüftungsrohres und bemalten es im gleichen Schiefergrau wie die Platte.

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Das war der Anker für eine Säule aus Steckschwamm, oben wieder mit einem Ring fixiert

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und dann musste ein Bambus-Raffrollo dran glauben. Eine doppelte Lage rundherum gewickelt und festgenäht, fertig war die Vase. Schließlich noch oben mit Stäben abgedeckt, damit man den Steckschwamm nicht sieht.

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Ja, und dann hab ich wochenlang Blumen gemacht. Die Passionsblumen sind ja sehr unkompliziert, auch wenn sie viel Arbeit sind. Aber bei denen gab es keine Zwischenfälle oder Pannen, alles aufs erste mal funktioniert, ich hab 4 Blumen gemacht, eine in Reserve. Wie sie entstehen hab ich ja schon hier ausführlich beschrieben,

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Nach langer erfolgloser Suche nach Ausstechern für die Blätter und auch einigen Versuchen, selber eine Schablone zu machen hab ich aufgegeben. Nachdem es ja nicht die Originalblätter sein mussten, dachte ich, ich mach einfach welche, die dazu passen. Ich hab mit allen möglichen Ausstechern und Veinern experimentiert und hab jetzt sicher 100 verschiedene teilweise sehr fantasievolle Blätter in Reserve, die ich in nächster Zeit in diverse Blumengestecke und Torten verarbeiten kann. Aber schließlich hatte ich die Blattform und auch die Prägung gefunden, die mir gefallen hat.

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Und weil ich eine Perfektionistin bin hab ich jede einzelne Kante jedes einzelnen Blattes mit Feile und Schleifpapier begradigt. Das kann man wunderbar nebem dem Fernsehen machen, oder anders rum, während man da schleift, kann man wunderbar nebenher fernsehen.

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Mich fasziniert ja immer wieder, wie sehr sich gerade Blätter verändern, wenn sie coloriert sind. Ich hab bei diesen Blättern mit ganz vielen verschiedenen Tönen gearbeitet, und ich finde, die sind wunderschön geworden.

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Die Phalenopsis haben mich unzählige male zur Verzweiflung getrieben. Ich wollte 5 Blüten drauf haben, ich glaub, ich habe mindestens 15 *grübel* – was ist die Mehrzahl von Labellum? gemacht. Immer wieder ist eine Lippe agebrochen. Wer kennt das nicht? Aber sie sind einfach die schönsten Orchideen.

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Endlich war ich soweit, dass ich den Zweig binden konnte. Der mitunter heikelste Part daran. Und es kam, wie es kommen musste, als ich die letzte Blüte eingebunden habe, hab ich mir tatsächlich an der ersten, obersten im Zweig wieder eine Lippe abgebrochen. Ahhhh, da könnte man schreien vor Zorn! Ich hab kurz mit dem Gedanken gespielt, es einfach so zu lassen und dann vor Ort als Transportschaden zu melden. Aber nur kurz, irgendwie ging das für mich gar nicht. Ich hätte es nicht fertig gebracht. Also die kaputte Blume heraus geknipst, sind dann ja immer noch 4 Blüten drauf, das reicht. Jetzt musste ich aber über die Stelle, wo ich geknipst hatte noch mal mit dem Floristenband drüber gehen. Und dabei – die Insider wissen genau was jetzt kommt – jawohl, dabei hab ich mir noch ein Labellum abegrochen!!!! *kreisch-schrei-heul*.

Ich liebe dich mein Superman, dafür, dass du mir in dem Moment die Blumen aus der Hand genommen und in die Schachtel gelegt hast, mich einfach in den Arm genommen hast, dir dein T-Shirt mit einem Gemisch aus Tränen, Wimperntusche und Lidschatten versauen hast lassen, mich ausheulen lassen, mir gesagt hast, dass ich die sowieso die Beste, Größte, Tollste und überhaupt die begnadetste Künstlerin auf Gottes Erden bin, aber dass ich jetzt einfach mal die Tür  zu diesem verdammten Tortenbastelzimmer von außen hinter mir zumachen und einfach mal 2 Tage nicht reingehen soll.

Du hast ja so recht, wie immer, auch wenn ich es nur ganz selten zugeben kann und wenn, dann immer erst sehr zeitverzögert. 😉

Dann brauchte ich auch noch Orchideenblätter, damit das Gefäß am oberen Rand nicht so leer wirkte. Auch hier sieht man wieder den extremen Unterschied, den die Farbe ausmacht.

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Die Orchideenblätter hab erst trocken und dann nass coloriert. Dann Glanzspray drauf, das hat mir dann gar nicht gefallen, also bin ich noch mal mit trockener Farbe drüber gegangen, und das gab dann einen genialen Effekt. Ähnlich hab ich es bei den Luftwurzeln gemacht.

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Und irgendwann war dann endlich alles fertig, die beiden kaputten Phalenopsis hab ich nach 3 Tagen *ignore-Modus* mit einem neuen Labellum bestückt, das zugegebenermaßen genau so genervt ausgeschaut hat wie ich. Aber was solls, es konnte alles verpackt werden für den Transport, die letzte Herausforderung.

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Aufgebaut hab ich dann erst direkt auf der Messe, dabei hab ich dann beim letzten Handgriff wieder eine Lippe an diesem verdammten Labellum abgebrochen und bin also doch zu Marianne gepilgert einen Transportschaden zu melden.

Weitere Details erspar ich euch.

Bester Superman, ich danke dir nochmal für Transport und Hilfe, auch wenn ich dich angeblich angeschnauzt hab, ich glaubs ja bis heute nicht 😉 Und besonders danke ich dir, dass du mich alleine aufbauen hast lassen und für das Kaffee-Frappée, das du in der Zwischenzeit geholt hast.

Endlich war es vollbracht, das Gesteck stand an seinem Platz.

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Auszeichnung gab es leider keine dafür, das Feedback der Jury lautete: Nicht die richtigen Blätter, die Blätter viel zu dick, generell alles zu groß und zu dick, die Orchideen entsprechen überhaupt nicht, die Blätter sind nicht schön geprägt, der Veiner war auch nicht der Richtige, die Rückseite der Blätter hat auch nicht gefallen. Einzig gelobt wurde der Aufbau und die Gesamtkomposition.

Ok, Feedback angekommen, nichts desto trotz bin ich nach wie sehr zufrieden damit und es gefällt mir immer wieder, wenn ich in meinem Wohnzimmer daran vorbei gehe. Ich bin stolz drauf, und würde es nicht anders machen, sollte ich die gleichen Blumen wieder machen.

Halt nicht unbedingt bei einem Wettbewerb 😉

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5 Kommentare zu “Meine Zuckerblumen auf der Kuchenmesse

  1. Da muss ich schon alleine für´s Durchhalten gratulieren! Ich bin jedes Mal sprachlos, wenn ich solche Zuckerblumen sehe. Die wirken so unglaublich echt – auch wenn die Blätter anscheinend nicht passen!
    Liebe Grüße
    Eva

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    • Danke Eva! Ich war zwischendurch ein paar mal nahe dran, aber Aufgeben ist in meinem Repertoire nicht vorhanden. 😉 Mein Mann hat das letztens mal festgestellt, er meinte: „Gell, dass du mal bei etwas den Hut drauf haust und sagt, ich lass das jetzt, das wird nix, das gibt es gar nicht. Das hab ich noch nie erlebt bei dir!“
      Wie er das gesagt hat hab ich erst mal drüber nachgedacht, ob das wirklich so ist. Mir war das nämlich gar nicht bewusst. Und ja, er hat recht. Aufgeben war noch nie eine Option für mich. Wenn etwas nicht funktioniert, dann muss man Pause machen und es dann anders versuchen.
      Dann klappt es schon. 😉

      Liebe Grüße
      Gabi

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  2. Na dann bedankt sich der Supermann für das Lob in Technik und Transport.
    Und für alle die es nicht wissen können zum Thema „anschnauzen“ 🙂 🙂
    Als ich alles verpackt, verstaut und unter Berücksichtigung der Streckenführung nach Wels gebracht hatte, die Schachteln mit Inhalt vom Auto unfallfrei in die Halle gefahren habe, meine „beste Ehefrau von allen“ mich auf den richtigen Platz eingewiesen hat und ich eine Schachtel nehmen wollte um die Sachen auf den Tisch zu stellen hab ich ein lautes, kreischendes und nervöses „FINGER WEG“ ausgefasst.
    Meine Mundwinkeln zogen sich… Nein, nicht nach unten, sondern wissen Schmunzelnd nach oben. Im Kopf erstellte ich den Satz „Die Frau ist mit den Nerven runter“ und ließ diesen über die Rückennerven in die Füße leiten mit der Begleitinfo für den Mund der dann sprach: OK, ich hole dann noch ein Café Frappee von MC. Donalds und verließ schmunzelnd den Schauplatz des kollektiven Nerven – Wegschmeißen 🙂 .

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