Hochzeitstorte mit Hindernissen

Das ist eine Hochzeitstorte, über die ich viele lustige Geschichten schreiben könnte. Welche nehm ich bloß?  Frei nach Lou Bega „A little bit of everything“ Mambo No5.

Da ist erstmal die Geschichte von der Braut, die so ganz anders ist als die meisten Bräute. Böse Zungen behaupten ja, dass jede Braut irgendwann in der Vorbereitungszeit zum Bridezilla mutiert. Meine Kollegin Iris nicht, die ist ganz anders. Unsere Tortenbesprechung beim Mittagessen lief so ab:

Ich: Jetzt sag, wie soll deine Hochzeitstorte ausschauen?
Braut: Das ist mir egal, sie muss nur so gut schmecken wie die letzte die du gemacht hast.
Ich: Ok, aber du wirst doch irgendeine Vorstellung haben was du möchtest?
Braut: Ja, so eine Scherenschnitttorte, wie die mit den Luftballons drauf, die war super!
Ich: Ok, was für ein Motiv hättest du denn gern drauf, weil das gleiche werden wir ja nicht nehmen.
Braut: Irgendwas mit einem Kuss vielleicht?
Ich: Gut, kein Problem, da find ich was. Torte in weiß, Scherenschnitt in schwarz und was soll dann noch drauf? Was für eine Farbe?
Braut: Keine Ahnung, brauch ma noch eine Farbe?

Dass ich sie nicht fragen brauch, ob sie ein Farbkonzept für die Hochzeit hat ist mir spätestens jetzt klar. Also probier ich es anders.

Ich: Welche Farbe hat denn den Kleid?
Braut: Schwarz

ok, auch kein Anhaltspunkt

Ich: Wie sehen die Einladungen aus?
Braut: Wir haben keine, wir haben alle mündlich eingeladen.
Ich (wissend, dass die Hochzeit bei einem Heurigen stattfindet): Was für eine Tischdeko?
Braut: Keine Ahnung, das macht die Wirtin in der Location, die kenn ich schon ewig, die macht das super.

Ich (geb nicht auf): Was hast du denn für einen Brautstrauß?
Braut: Brauch ich einen? Ich hätt keinen genommen.

Grrrrrr, das ist echt eine schwierige Geburt.

Aber dann die zündende Idee:

Braut: Rote Herzerl wären nett, aber weißt was, mach einfach, was du willst, ich lass mich überraschen, die wird sicher super!

Na bitte, geht doch!

Dann war da noch die Geschichte mit dem Terminmissverständnis. Auf die Frage, ob ich im August ihre Hochzeitstorte machen könnte hab ich gesagt, es geht nicht, weil ich da auf Reha bin. Aber die Iris war kreativ. „Kannst du die nicht vorher machen und einfrieren?“

Nein, kann ich nicht, die Deko, die hält nicht, wenn man die Torte einfriert. Und dann muss die Torte ja auch wieder aufgetaut werden, und die muss gestapelt werden, und fertig gemacht werden, und ins Burgenland transportiert werden, wer macht das, wenn ich nicht da bin? Und überhaupt, ich will nicht, dass du dann eine Hochzeitsorte hast, die nicht 100% in Ordnung ist und das kann ich nicht garantieren, wenn ich sie nicht selber fertig mache.

„Geh bitte, du kannst du Deko ja ganz einfach machen, und einfrieren und auftauen und transportieren kann sie die Birgit, das geht sicher! Und deine Torte ist ganz sicher die perfekte Torte, und ich will keine andere, und wenn du sie nicht machst, dann gibt es halt keine Hochzeitstorte.“

Ok, sie ist hartnäckig. Das kommt mir bekannt vor. Dinge, die eigentlich unmöglich sind und wo jeder sagt: „Des geht nie!“ – die reizen mich besonders. Kann doch nicht sein, dass das geht. Wer will findet einen Weg, wer nicht will findet Ausreden.

Also hab ich getüftelt, wie ich das doch hinkriege, dass ich sie einfrieren kann und alles so vorbereite, dass die Birgit die einzelnen Torten einfach nur auftauen und aufeinander setzen muss. Also, dass die Stützen schon vorher drin sind und einfach alles fertig. Die Freude war groß, als ich gesagt hab, ich krieg das hin, sie bekommt ihre Torte auch wenn ich nicht da bin.

So bin ich dann Anfang Juli auf die Suche nach Inspirationen gegangen und wurde auch schnell fündig. Diese süße Torte von Naschen mit Stil hat mich gleich angesprochen, sie sollte als Vorlage dienen.

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Das süße Pärchen war auch schnell gefunden und es hat beim ersten Versuch geklappt.

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Schnell nach dieser Vorlage einen ganz einfachen Topper modelliert, den könnte man dann einfach vor Ort drauf setzen

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Und gebacken hab ich auch gleich, die größere Torte gleich mit dem Scherenschnitt versehen. Als Abschluss unten nur ein schmales rotes und ein schwarzes Band, das sollte die Prozedur am besten überstehen.

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 Rundherum hab ich noch einen Herzerlschwarm auf die Reise geschickt. Die obere Torte bekam auch so einen Rand, und davor sollte eine Blumengirlande liegen.

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Ich war verliebt, ich fand sie einfach süß. Auf die kleine Torte wollte ich vorne noch ein Herz mit dem Hochzeitsdatum machen. Und weil ich eine Perfektionistin bin hab ich der Birgit geschrieben um mich zu vergewissern, dass der 8.8.2016 eh das richtige Datum habe. Rein rhetorische Frage eigentlich. Kommt da doch tatsächlich zurück: „Nein, es ist der 20.8.2016“

****Wah! Kreisch! Auszuck!*****

Da bin ich ja schon lang wieder zurück, was mach ich da dann so eine Generalstabsaktion draus! Kann ich ja in Ruhe alles nachher machen und auch ohne Einfrieren! Auf den Schock hab ich mich erst mal zurückgelehnt und die supersüße halbfertige Torte fotografiert.

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Aus dem oberen Stockwerk ist dann der Blumenstock für die Barbara entstanden und die süße Scherenschnitttorte hab ich dann doch eingefroren, weil ich mich erstens nicht durchringen konnte, sie einfach so essen zu lassen und weil ich außerdem probieren wollte, ob und wie das funktioniert mit dem Einfrieren.

So bin ich dann ganz entspannt auf Reha gefahren, hab mir mein Blumenbastelzeugs mitgenommen und hab dort den Blumenkranz fertig gemacht.

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Das war die Geschichte mit dem Terminmissverständnis und zu guter Letzt gibt es noch die finale Story, nämlich die Tragödie der eingefrorenen Torte bei schwülheißen 30°.

Nachdem sich mir ja jetzt unendliche Möglichkeiten aufgetan haben, hat die Torte natürlich gleich noch ein Stockwerk dazu bekommen, nämlich eine Sachertorte in Baumrindenoptik.

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In der Woche davor hatte ich die Spidermantorte  gemacht, und da hat es sich angeboten, den oberen Stock für diese Torte gleich mitzubacken. Und weils eh schon egal war, hab ich sie auch gleich wieder eingedeckt und eingefroren. No risk, no fun. Ich hab mich viel bei den Tortenmädels umgehört und alle haben gesagt „eingedeckte Torten einfrieren funktioniert super, nimm sie 24 Stunden vorher heraus und lass sie im Kühlschrank auftauen. Am Freitag Früh wurde es dann spannend. Ich hab die beiden Torten aus dem Tiefkühler genommen und zum Auftauen in den Kühlschrank gestellt. Was täte ich nur ohne meinen Tortenkühlschrank?

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Die Torte mit dem Scherenschnitt war ja komplett fertig dekoriert, die Kleine war nur in weiß eingedeckt und noch ohne Deko. Da sollte eigentlich eh nur vorne das Herz mit dem Datum drauf.

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Am Nachmittag wollte ich dann die 3 Torten zusammen setzen und fertig dekorieren. Als ich die erste Torte aus dem Kühlschrank genommen hab hat mich fast der Schlag getroffen. Die hat so geschwitzt und war so nass, dass es echt ausgesehen hat, als ob das Wasser an den Seiten runter läuft und oben drauf ein Eislaufplatz wäre. Also hab ich sie vor den Ventilator gestellt, höchste Stufe, und alle 10 min gedreht.

Dann hab ich versucht, das Herz aufzukleben, das einzige Gute wenn eine Torte schwitzt ist ja, dass man keinen Kleber für die Deko braucht. Das hat aber nicht gehalten, sondern ist nachdem ich es losgelassen hab in Rekordtempo nach unten gerutscht, so schnell konnt ich gar nicht hingreifen. Nachdem das Herz schwarz war und die Torte weiß war …. ihr könnt euch vorstellen, was passiert ist. Eine dicke, schlitzige schwarze Schleifspur.

***PANIK, was mach ich, wenn die zerrinnt und ich morgen keine Torte hab?***

„Reiß dich zusammen, alles wird gut!“ sprach die Vernunft in mir und ich hab getan, was man nicht tun soll, nämlich ein Stück Küchenrolle genommen, und die schwarze Schleifspur abgewischt, werd ich wohl irgendwie mit Deko kaschieren müssen, dann … ja, dann, wenn ich die Torte vielleicht mal angreifen kann, irgendwann, morgen oder so. Es hilft nix, die Torte muss zurück in den Kühlschrank und dort ganz auftauen, und dann trocknet sie hoffentlich auch.

Also Planänderung, heute alles fix und fertig vorbereiten, morgen um 7.00 aufstehen und die Torte dann erst fertig zusammen stellen. Wie ich sowas hasse, keinen Zeitpuffer mehr zu haben und erst auf den Punkt fertig zu werden, aber es hilft nix. Die Sacher war inzwischen schon mit der Baumrindenoptik eingekleidet und wenigstens die war trocken im Kühlschrank.

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Und weil ich jetzt am Donnerstag Abend jetzt ganz unerwartet Zeit hatte und noch eine ganze Schüssel voll fertiger Cakepopmasse und sich die Iris ursprünglich auch Cakepops gewünscht hat hab ich halt doch noch welche gemacht. 50 Stück, bis 1.00 Früh.

Mein allerbester Superman, der geniale Techniker, der Meister der Transportkisten hat mir inzwischen eine mit Styropor isolierte Transportbox gebastelt und die Boxen für die Cake Pops mit passendem Papier überzogen, ich hatte nur die weihnachtlichen von Eduscho, die konnte ich nicht nehmen.

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So siehts gleich besser aus

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Am Samstag in der Früh hat dann alles planmäßig geklappt, die Torten waren zwar immer noch leicht feucht, also angreifen konnte man sie nicht, aber ich hatte eh alles so vorbereitet, dass es reichte, wenn ich sie nur am Boden angreifen und balancieren kann. Also, Torte gestapelt, Herz aufgeklebt, die kritischen Stellen mit zusätzlichen Herzchen kaschiert und den Blumenkranz aufgelegt. Den hab ich auch noch verlängert, weil die Kante auf der einen Seite gar nicht gut ausgesehen hat, so konnten die Blumen drüber hängen und niemand hat etwas gemerkt.

Dann die Cakepops verpackt und noch ein paar Fotos geschossen, viel zu wenige, ich hätte noch mehr Detailfotos machen sollen. Aber zeitmäßig wars dann doch eine Punktlandung, und als ich zu fotografieren angefangen hab sind auch schon die Transporteure der süßen Fracht eingelaufen.

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Der Meister der Transportkiste hat auch wieder eine genau passende Platte gebastelt, diesmal mit Seilschlaufen, damit man die Torte leichter aus der Schachtel heben kann. Ich liebe ihn, sowieso und überhaupt, und unter anderem auch für seine genialen Ideen und seine bedingungslose Unterstützung, ganz egal was für ein verrücktes Projekt ich mir gerade wieder umhänge.  In der Transportkiste mit Kühlakkus gut verpackt ist die Torte sicher im Burgenland angekommen, 3 Stunden Autofahrt bei 30° sind kein Problem, wenn sie gut gestützt, verpackt und gesichert ist.

Kurz vor Mitternacht hab ich dann ein Foto bekommen vom strahlenden Brautpaar mit der Torte. Und was ist das erste, das der Perfektionistin auffällt?

„Die haben tatsächlich die Torte mit der grindigen Transportplatte  auf den Tisch gestellt!“

Das ist aber außer mir niemandem aufgefallen, alle waren begeistert, die ganze Torte und alle Cakepops wurden noch in der Nacht vertilgt. Liebe Iris, lieber Markus, ich wünsch euch für euer weiteres gemeinsames Leben soviel Spaß wie auf eurer Hochzeitsfeier.

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2 Kommentare zu “Hochzeitstorte mit Hindernissen

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