Holzstrukturen

Seit ich auf der Kuchenmesse bei der lieben Andrea von Tortenpoesie  diesen tollen „alte-Bretter-Effekt“ gesehen habe, den sie bei ihrer genialen Venezianischen Hochzeitstorte für die Schiffsplanken verwendet hat fasziniert mich diese Technik.
Materialien aus der Natur in Torten nachzubilden hat einen ganz besonderen Charme finde ich. Und spätestens seit dem Hinkelstein vom Obelix  mag ich das Herumexperimentieren für solche Dinge.

Kuchenmesse_Obelix_0033

Holz hab ich ja schon auf verschiedenste – einfache – Weise gemacht, z.b. den Gartenzaun beim Maulwurf  mit einer Prägematte, find ich nicht so prickelnd.

Maulwurf0131

den Baumstamm für die Kettensägetorte

Palisaden bei der Hawaii-Torte

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die Tischplatte beim gedeckten Tisch

GedeckterTisch_40

 und die modellierten Tiki-Figuren im Kurs bei Betty

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Aber die Schiffsplanken von Andrea sind da schon ganz ein anderes Kaliber, also hab ich auch ein wenig experimentiert.

Mein erster Versuch mit der Technik von Andrea, also Blütenpaste hauchdünn ausrollen, antrocknen lassen, dann auf dick ausgerollten Fondant legen und mit dem Rollstab drauf hin und her rollen, bis die Blütenpaste reißt war nicht erfolgreich. Herausgekommen ist das hier, sieht zwar auch interessant aus, aber das war nicht der Plan.

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Ich hab zwei entscheidende Materialfehler gemacht: Erstens hatte ich ausnahmsweise Blütenpaste von Satin Ice weil Squires Kitchen grad nicht lieferbar war. Und Satin Ice Blütenpaste ist meiner Meinung nach genau so ein Schrott wie der Fondant dieser Marke. Viel zu weich, zieht sich wie Kaugummi, trocknet ewig nicht.
Zweitens dachte ich, dass das Holz gut kommen würde wenn es dunkel ist, also hab ich dunklen Schokoladefondant genommen. Der ist auch von Satin Ice, aber den find ich gut. Nur nicht für diese Anwendung. Der trocknet nämlich auch nicht. Und so hatte ich nach einer Nacht Trocknung eine schlappe Platte zu dicke Blütenpaste auf viel zu weichem Schokofondant und versuchte unter Aufbietung all meiner Kraft die schlappe Platte mit dem Rollholz zum Bersten zu bringen. Sie gab schließlich den Widerstand auf und brach zwar, aber nicht mit feinen Rissen, wie ich das gewollt hätte sondern in grobe Stücke. Also Planänderung, Frau ist ja schließlich flexibel. Herausgekommen ist eine wunderbare Torte für meine Freundin Anita. Sie war begeistert. Gut ist es, dass wir nur selber wissen, wie die Torte eigentlich hätte werden sollen!

Mosaiktorte0003

Den nächsten Versuch startete ich mit Reispapier und Massa Ticino. Wesentlich schnellere und einfachere Technik. Man rollt den Fondant ca. 1,5 cm dick aus, legt ein Blatt Reispapier drauf und drückt es gut an. Dann mit einem dicken Puderpinsel vorsichtig Wasser auftragen. Wieviel ist Gefühlssache. Ich hab den Pinsel ins Wasser getaucht, einmal abgeklopft und dann zügig über das Papier gestrichen, bis ich den Eindruck hatte, dass es überall feucht ist. Dann ein paar Minuten warten, nicht zu ungeduldig sein, das Reispapier reagiert so wie Wafer Paper mit Verzögerung. Man merkt dann gleich, dass es durchgezogen hat, wenn es sich an der Oberfläche zu kräuseln beginnt. Wenn man jetzt noch trockene glatte Stellen sieht kann man vorsichtig mit dem Pinsel nachtupfen.

Jetzt das Papier leicht antrocknen lassen und dann mit dem Rollholz mit kurzen Hin- und Herbewegungen rollen, das Papier bricht jetzt in feine Steifen auf.

Holzstruktur0001

Wenn es die gewünschte  Struktur erreicht hat kann man es beliebig in Form schneiden. Ich habe hier ca. 10 cm lange und 3 cm breite Bretter geschnitten. Über Nacht trocknen lassen und am nächsten Tag mit Puderfarben noch nachcoloriert.

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Dieses Holz hab ich für eine schnelle Torte mit Pralinen und Schokoladeblättern mit Goldschimmer und Transferfolie verwendet. Die liegt nämlich auch schon ewig um Kasten und wartet darauf, ausprobiert zu werden.

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Memo an mich: Hauchdünne Schokoladplättchen ist was für den Winter und nicht für 30°.

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Die übrig gebliebenen Bretter hab ich einfach in der Vitrine aufgehoben. Ein paar Tage später fanden sie auch gleich Verwendung. Der Länge nach halbiert wurden sie zum Blumentopf. Der bekommt übrigens noch eine eigene Geschichte.

Antikholz0006

Vorgestern hab ich schließlich noch ein Holzexperiment gestartet. Nachdem ich ja schon wusste, wie der Schokoladefondant von Satin Ice da reagiert hab ich mir das gleich mal zu Nutzen gemacht und ihn mit dem Reispapier zu Holz für einen Baumstamm verarbeitet. Das dauert etwas länger, weil der ja feuchter und weicher ist, er schmiert ziemlich, wenn man das Reispapier ausrollen will. Die Schokolade im Fondant mischt sich auch gleich mit dem Wasser aus dem Reispapier, also braucht man nachher keine Puderfarben mehr, das Holz malt sich selber.

Noch einen Unterschied gibt es zum vorherigen Holz: Diese Bretter sind nur in eine Richtung gerollt, somit gibt es nur Längsrisse.

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Hier hab ich längs und quer gerollt und das sieht man sehr gut an der Struktur, die ist komplett anders.

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11 Kommentare zu “Holzstrukturen

  1. Schaut total gut aus! Ich möchte das schon lange probieren.
    Die Blütenpaste von Satin Ice ist wirklich Schrott, Blumen damit machen ist furchtbar…. Dachte, ich bin zu dumm dafür!

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    • Ich auch. Bis heute… Wertvoller Tip. Bei den Babyschuhen war es zwar praktisch, dass es länger weich war, aber Blüten sind echt die Hölle!

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    • Nein Susi, du bist nicht zu dumm dafür, ich kann mit der nicht wirklich was anfangen. Speziell Blumen, die ganz dünne gedrahtete Blätter haben kann man damit gar nicht machen. Ich hab sie schlussendlich dann für Deko verwendet, also solche, die man flach aussticht, Bänder und so. Und was auch geht ist, sie 1:1 mit der Squires Kichen verkneten und dann Blumen machen, die man in der Hand aus einer Kugel formt, also ohne Ausstecher. Den Flieder zum Beispiel
      Eddas Blumen

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  2. Wow, DANKE!! Das kommt genau richtig. Ich mache nämlich die Tage eine 30er Sacher mit „Holzumrandung“ im Stil der Einladung und hab ebenfalls den Satin Ice Schokofondant nehmen wollen. Ich hab allerdings dazu Wafer Paper statt Reispapier. Hatte mich gefragt, ob ich die „Bretter“ wohl schon was eher machen kann, weil es ja ab kommenden Dienstag heiß werden soll – dass ich sie quasi eher machen „muss“ kommt sehr gelegen. So bleibt auch mehr Zeit für Experimente. Aber hast du den Fondant wirklich 1,5 CM dick ausgerollt?

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    • Das freut mich, dass dir das gelegen kommt und du die Anleitung brauchen kannst. Ja, ich würde die Bretter auf jeden Fall schon früher machen und ein paar Tage liegen lassen. Ich hab die Reste noch liegen, sie sind noch ganz weich und biegsam, am Mittwoch hab ich ihn gemacht.
      Ob es mit Wafer Paper auch funktioniert kann ich dir nicht bestätigen, das hat eine andere Faserstruktur. Ich habs noch nicht ausprobiert, hab aber hier in der Gruppe schon gelesen, dass es einige mit Wafer Paper gemacht haben, bei anderen hat es nicht geklappt.
      Und ja, der Fondant muss so dick sein, damit du genug „Material“ darunter hast, wenn du hin und her rollst und das Papier reißt. Sonst hast du gleich mal auf die Arbeitsplatte durchgedrück. Aber man braucht echt nicht viel, weil man ja nachher mit dem Papier weiter ausrollt. Also in A4-Größe Fondant ausgerollt ergibt die doppelte Fläche an Holz.

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      • Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich werd also bald starten und ausprobieren. Torte ist für den 09.09., aber so bleibt jede Menge Testzeit. Gut zu wissen, dass der Fondant so dick sein muss. Dann ist er aber nach dem Ausrollen immer noch 7-8mm dick, oder?
        Zu der Faserstruktur: ich hab ne Holzprägematte und würde damit auch einmal drüberrollen

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      • Ich hab ihn auf ca. 3 mmm ausgerollt. Ob die Prägematte auch noch Struktur abgibt und ob das passt kann ich nicht sagen, das musst du einfach ausprobieren.

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    • Bitte gerne! Und ganz ehrlich, ich schreibs auch für mich, weil Dinge, die man nicht so oft macht vergisst man wieder. Vor allem die Details, und dann ist es gut, eine selbstgeschriebene Dokumentation zu haben.
      LG
      Gabi

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