Apfelschlankerl von da Oma

Meine Oma wurde am Anfang des vorigen Jahrhunderts geboren, sie war Jahrgang 1901 und hat uns Kindern immer erzählt, wie stolz sie ist, dass sie den Kaiser Franz Josef noch wirklich und wahrhaftig selber gesehen hat. Nicht im Fernsehen, sondern ganz in echt.

Meine Oma war immer eine richtig alte Oma, sie war schon 60 als ich als ältestes von 3 Kindern zur Welt gekommen bin. Sie war bis zu ihrer Heirat mit meinem Opa Magd auf einem Bauernhof und seit dem 2. Weltkrieg Witwe. So lang ich mich erinnern kann kenn ich sie nur klein, zierlich und weißhaarig und in einer Kittelschürze. Ich bin die ersten 10 Jahre meines Lebens quasi bei ihr aufgewachsen, meine Eltern haben beide im Schichtdienst gearbeitet, Kinderbetreuung gab es damals nur rudimentär und so haben sie mich immer zur Oma gebracht wenn sie arbeiten mussten.

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Und bei meiner geliebten Oma war mein Paradies. Ein altes Zimmer-Küche-Kabinett-Häuschen aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, ohne fließendes Wasser, ohne Heizung, mit einer Waschküche wo im großen Kessel das Wasser erhitzt wurde damit wir einmal in der Woche in der Zinkwanne baden konnten. Mit einem Erdkeller in dem wirklich in einer Ecke „Kraut und Rüben und Erdäpfel (durcheinander)“ am Boden gelagert waren.

Mit einem Garten mit einem Ziehbrunnen, aus dem wir das Wasser in einen großen „Granda“ gepumpt haben, in dem wir im Sommer gebadet haben. Mit einer großen Schaukel, mit einer Hollerstaude neben dem Komposthaufen, mit einem Hasenstall und einem Gemüsegarten. Und da waren alle meine Freunde, am Stadtrand von Linz, wo man damals noch fast eine Stunde zu Fuß gehen musste zur „Elektrischen“, wie die Oma und die Nachbarin die Straßenbahn immer nannten.

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Was wollte ich eigentlich schreiben? Ach ja: Wie wohl alle Omas hat sie sensationell gute Sachen gekocht. Die Oma konnte alle Rezepte auswendig, die hat nix aufgeschrieben, die hatte auch kein Kochbuch. So hat sie leider viele ihrer guten Rezepte mit ins Grab genommen. Einige aber hat sich meine Mutter gemerkt und hat sie an uns weiter gegeben.

Und dieses hier ist das aller, allerbeste, einfachste und genialste davon.

Apfelschlankerl aus Mürbteig

600g griffiges Mehl
250g Butter
3 Dotter
1 Becher Sauerrahm
etwas Salz

2 kg Äpfel
Zimt
Rosinen

Butter mit Mehl abbröseln, Dotter, Salz und Sauerrahm dazu und alle Zutaten schnell zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. So hat es die Oma gemacht, ich schmeiß alles zusammen in den Multi der Kenwood (Messer drin)  und lass es auf relativ hoher Stufe ein, bis es ein geschmeidiger Teig ist. Das geht sehr schnell. Alternativ kann man auch in der Schüssel mit dem K-Haken kneten.

Den Teig 30 min im Kühlschrank rasten lassen, in der Zwischenzeit die Äpfel schälen und ebenfalls im Multi mit der groben Scheibe blättrig schneiden. Ich hab die Äpfel auch schon mit Schale verarbeitet, wenn es ganz schnell gehen muss.

Dann den Teig in 3 Teile teilen, jeden Teil zu einem Rechteck ausrollen, die Äpfel jeweils auf das mittlere Drittel des Teiges legen und mit Zimt und Rosinen bestreuen. Ich nehm immer nur blättrig geschnittene Äpfel, Rosinen und Zimt, für uns kommt sowohl der Teig als auch die Fülle komplett ohne Zucker aus.

Dann die beiden äußeren Teile des Teiges über den Äpfeln zusammen schlagen und auch die Enden nach oben umbiegen und die 3 Schlankerl dicht nebeneinander auf ein Backblech legen. Das sollte sich genau ausgehen.

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Das Foto hier ist von meiner Freundin Edda, die macht immer 2 Schlankerl und legt sie der Länge nach aufs Blech. Ich mach immer 3 Schlankerl und leg sie quer, weil wir alle so gerne die Enden haben.

ca. 40 min bei 160° Umluft backen und nach dem Auskühlen nach Belieben mit Staubzucker bestreuen.

Der Teig ist ganz geschmeidig und lässt sich ganz dünn ausrollen (bis zu 2 mm), er reißt nicht und bricht nicht. Durch die Feuchtigkeit der Äpfel wird er schön mürbe. Am besten schmeckt er am nächsten Tag, leider hält er nie so lange.

Fotos hab ich aktuell keine besonderen, aber das macht nix, ihr könnt sie ja alle nachbacken und selber Fotos machen.

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