Die Projektmanagerin in mir ….

..hat zugeschlagen.

Die Frage: „Sag amal wie lange brauchst du eigentlich für so eine Torte?“ kommt ja oft. Und bis jetzt hab ich immer wahrheitsgemäß gesagt „Das kann ich nicht so genau sagen, ich schreib nicht mit, mir machts einfach Spaß und drum ist mir das egal.“ Aber letztens, als ich beim Mittagessen mit den Kollegen die Arielle hergezeigt hab fragte dann eine Kollegin, wieviel ich denn verlangen würde, wenn ich so eine Torte verkaufen würde. Ich hab gesagt, dass ich so eine Torte immer nur als Geschenk für meine beste Freundin machen würde, weil die wär unbezahlbar, soviele Stunden sitze ich da dran.

Eine andere Kollegin meinte dann: „Na, die Arbeit darfst da aber nicht rechnen!“ Ach nein, und wieso nicht? Der Steuerberater z.b., verrechnet der auch nur das Papier und die Tinte und den Toner und nicht seine Arbeit vom Beleg bis zur Bilanz?

Na ja, jedenfalls war das der Anstoß für mich, einmal genau zu dokumentieren, wieviel Zeit wirklich bei so einer Torte aufgeht. Die Materialkosten hab ich ja schon vor Ewigkeiten mal berechnet, weil es mich einfach interessiert hat. Damals bin ich übrigens zu dem Schluss gekommen, dass ich nie, nie wieder Fondant selber mache, sondern nur mehr den Massa Ticino Tropic kaufe. Der Zeitwaufwand steht einfach nicht dafür. Aber das ist ein anderes Thema.

Also, hier ist das Projekt Zeitmanagement beim Torten backen, anhand meines aktuellen Werks, einer zweistöckigen Torte mit Unterwasserwelt am unteren Stockwerk und Blumenwiese oben.

Unterwasserwelt004

Der untere Stock ist Devils Chocolate Cake mit Zartbitterganache, 28cm Durchmesser, 12 cm hoch, also die doppelte Masse, auf 2x gebacken. Der obere Stock ist Eierlikörkuchen mit Italien Meringue Himbeerbuttercreme, 24 cm Durchmesser, auch 12 cm hoch.

Los geht, hier sind die Zeiten:

1 Stunde 15 Minuten Meeresgetier produzieren. Ich mach die Muscheln, Fische und Seesterne mit Blütenpaste und Moulds, die ich immer wieder kurz in den Tiefkühler lege. Wenn ich sie herausnehme und sie dann leicht angetrocknet sind, schneide ich auch gleich die überschüssigen Ränder weg.

Meeresgetier

1 Stunde 30 Minuten Torten backen, Ganache machen, abwaschen und Küche wieder sauber machen. Ich habe zuerst die Eierlikörböden gebacken, während die im Rohr waren die beiden Massen für den Schokoladekuchen fertig aufgeschlagen. Das ist der Moment, wo ich meine Kenwood wirklich liebe! Ich hab mir eine zweite Schüssel gekauft, denn die Masse für den Devils Chocolate Cake ist so viel, dass die Rührschüssel fast voll ist. Da geht max. die Menge um 1/5 also ein zusätzliches Ei erhöhen. Mit zwei Schüsseln geht das wunderbar, ich arbeite parallel, also ich wechsle die Schüsseln und führ die einzelnen Arbeitsschritte immer gleich bei beiden Massen durch. So hab ich zum Schluss beide Massen fertig, kann die Formen befüllen und beide gleichzeitg in den Ofen stellen. Wenn ich den Eierlikörkuchen heraus nehme kann ich den Schokokuchen gleich ins Rohr schieben und abwaschen. Die Zeit, die die zweite Ladung dann zum Backen braucht hab ich nicht mehr gerechnet., Torte kann alleine backen.

1 Stunde 15 Minuten Buttercreme machen, Torten füllen und einstreichen. Da hab ich die reinen Arbeitszeiten zusammen gezählt, weil die Torten ja dazwischen gekühlt wurden.

Torte mit Ganache

1 Stunde Fondant färben, beide Torten eindecken, Wellen auf dem Cakeboard machen.

4 Stunden Meeresgetier bemalen, Fondant in den verschiedenen Farben einfärben, ich hatte keine Reste mehr. Zusätzliche Deko wie kleine Blumen und Korallen machen und die Unterwasserwelt auf die Torte bringen. Und da hatte ich dann den Beweis für etwas, das ich auch so gewusst habe: Ich liebe diese Spielerei mit den kleinen Details, da kann ich wirklich Stunden verbringen mit der Tüftelei, was kommt wohin und da noch ein bisschen und dort noch ein wenig.

UnterwasserweltUnterwasserweltUnterwasserwelt

1 Stunde ging dann noch zum Schluss drauf für die Dekoration des oberen Stocks mit der Wiese und den Blumen.

Unterwasserwelt

In der Berechnung nicht drin sind die großen Blumen oben auf, ein Hibiskus und 2 Orchideen, die mache ich immer in größeren Mengen auf Vorrat, zuletzt zu unserer Geburtstagstorte im Vorjahr. Und so warten sie dann auf ihren Einsatz:

Orchideen32 Orchideen33

Also, ich fasse zusammen:

1 Stunde 30 Minuten Torten backen und Ganache machen
1 Stunde 15 Minuten Buttercreme machen, Torten füllen und einstreichen
1 Stunde Fondant färben, beide Torten eindecken, Wellen auf dem Cakeboard machen.
6 Stunden 15 Minuten Deko insgesamt

Alle Zeiten sind immer inklusive hinterher sauber machen und aufräumen, wobei das nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, weil ich generell kaum Saustall verursache beim Kochen und Backen. Ich hasse nämlich Putzen, und drum pass ich lieber gleich auf und sau nicht herum.

Also gesamt 10 Stunden, und das kommt ziemlich genau auf meine Schätzung hin. Wenn man die aufwändige Deko abzieht bleiben für eine zweistöckige Torte immer noch 3 Stunden 45 Minuten nur für backen, füllen, einstreichen und eindecken.

Somit Projekt erfolgreich abgeschlossen, in etwa diese Zeit auf mindestens 3 besser 4 Tage aufgeteilt hab ich auch bisher eingerechnet und das hat mich immer vor ungeplanten Nachtschichten bewahrt.

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7 Kommentare zu “Die Projektmanagerin in mir ….

  1. Liebe Gabi,
    genau so ist es – wieso darf man bitte die Zeit nicht rechnen?!? Gerade eine so anspruchsvolle Torte ist ja sehr zeitintensiv.
    Ich bin auch immer entsetzt, wenn Leistung nicht anerkannt wird, ob beim Backen oder überhaupt. Wie mir mal ein Vereinskollege sagte, als ich zögerte, die Pressearbeit für einen sehr aktiven Sportverein zu übernehmen: „Ein Zeitungsartikel ist doch in 10 Minuten geschrieben, mir erzählt niemand, dass er aus Zeitgründen keine Pressearbeit machen kann“.
    Bei deiner Torte sieht man jedenfalls, dass du Spaß am Backen und Dekorieren hast!
    Liebe Grüße, Eva

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    • Danke liebe Eva!
      Ja ja, sowas schreibt man doch in 10 Minuten. Genau so liest sich das dann auch, sieht man ja oft genug.Und beim Kochen und Backen ist es genau so. Was allerdings noch oft noch dazu kommt ist die Ideenfindung und Planung einer Torte. Das fiel hier weg, weil ich schon zwei sehr ähnliche Torten gemacht habe. Da ist viel Recherche dabei und dann halt auch Skizze zeichnen und überlegen und tüfteln. Beim Obleix und bei der Motorsägentorte hab ich das eh genau beschrieben. Aber das sind dann halt noch mal ganz andere Kaliber.

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    • Natürlich darfst du das teilen Michi. Und sag den Teilnehmerinnen in deinen Workshops dazu, dass man als Anfänger die doppelte Zeit bei nicht halb so gutem Ergebnis und je nach Temperament viele Portionen Wutausbrüchen, Verzweiflung, Resignation oder einfach nur „I mog nimma!“ einrechnen muss. 😉

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  2. Toller Beitrag!
    Tolle Torten!
    Bloß – wer bringt es über sich, da hinein zu schneiden? Das ist doch schade :).
    Für meine Silberhochzeit am Montag möchte ich auch gerne eine Torte backen, habe aber fast nur Marmorkuchen Erfahrung. Bin gespannt, was das wird. Drücke mir die Daumen.
    Liebe Grüße von Christina

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